Du sprichst – und deine eigene Stimme klingt plötzlich seltsam laut, hallend oder fast doppelt im Ohr. Manche hören sogar ihre eigene Atmung im Ohr oder haben ein Druckgefühl.
Dafür gibt es einen medizinischen Namen: klaffende Tube (Tuba aperta).
Und dieses Problem kann nach einer starken oder schnellen Gewichtsabnahme auftreten. Inzwischen gibt es auch erste wissenschaftliche Berichte über Betroffene nach einer Gewichtsabnahme unter GLP-1-Medikamenten.
Was passiert dabei im Ohr?
Die Eustachische Röhre – auch Ohrtrompete oder Tube genannt – verbindet das Mittelohr mit dem Nasen-Rachen-Raum. Normalerweise ist sie geschlossen und öffnet sich nur kurz, etwa beim Schlucken.
Bei einer klaffenden Tube bleibt sie ungewöhnlich weit offen. Dadurch können Geräusche aus dem eigenen Körper direkt ins Mittelohr übertragen werden.
Typisch sind:
• die eigene Stimme klingt ungewöhnlich laut, dröhnend oder hallend
• man hört die eigene Atmung im Ohr
• Druck- oder Völlegefühl
• ungewöhnliche Ohrgeräusche
Das verstärkte Wahrnehmen der eigenen Stimme oder Atmung nennt man Autophonie.
Was hat Abnehmen damit zu tun?
Rund um die Tube befindet sich Fett- und Weichteilgewebe. Dazu gehört das sogenannte Ostmann-Fettpolster, das den normalen Verschluss der Tube unterstützt.
Bei erheblichem Gewichtsverlust kann auch dieses Fettgewebe abnehmen. Dadurch kann die Tube möglicherweise nicht mehr vollständig schließen.
Der Zusammenhang ist schon länger bekannt, beispielsweise nach starker Gewichtsabnahme infolge bariatrischer Operationen.
Was zeigen die Studien?
In einer Untersuchung von 124 Menschen mit klaffender Tube hatten rund 32 Prozent zuvor Gewicht verloren.
Eine weitere Studie untersuchte 64 Menschen vor und sechs Monate nach einer bariatrischen Operation. Vor der Operation wurde bei niemandem eine klaffende Tube festgestellt, danach bei 16 von 64 Personen (25 Prozent).
Diese Zahl lässt sich allerdings nicht allgemein auf Menschen übertragen, die Gewicht verlieren.
Und was weiß man zu GLP-1?
2025 erschien eine erste Fallserie mit sieben Betroffenen, die nach deutlicher Gewichtsabnahme unter GLP-1-Therapie eine klaffende Tube entwickelten.
Alle sieben berichteten über Autophonie. Die Beschwerden traten nach 4 bis 10 Monaten auf. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie 8,2 bis 18,7 Prozent ihres Ausgangsgewichts verloren.
2026 wurde außerdem ein Fall einer beidseitigen klaffenden Tube nach ausgeprägtem Gewichtsverlust unter Semaglutid beschrieben.
Wichtig: Bisher ist nicht nachgewiesen, dass GLP-1-Medikamente die Tube direkt beeinflussen. Nach heutigem Wissensstand spricht vieles dafür, dass der erhebliche Gewichtsverlust und der damit verbundene Verlust von Fett- und Stützgewebe eine entscheidende Rolle spielen.
Wer nach einer starken Gewichtsabnahme plötzlich die eigene Stimme oder Atmung ungewöhnlich laut im Ohr hört, sollte das HNO-ärztlich abklären lassen.
Quellen
• Wu SS et al. Impact of body mass index in patulous Eustachian tube: Does rapid weight loss influence symptom improvement? American Journal of Otolaryngology. 2022.
• Erdemes S et al. Objective diagnosis of Patulous Eustachian Tube following bariatric surgery using dynamic tympanometry. American Journal of Otolaryngology. 2025.
• First report on a case series of Patulous Eustachian tube following GLP-1 receptor agonist-induced weight loss. 2025.
• Burmeister JR et al. Patulous Eustachian tube dysfunction following rapid weight loss associated with semaglutide use: A case report. SAGE Open Medical Case Reports. 2026.
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